Checker-FAQs – Klima – Moore – Anpassung
Wächst ein Moor überhaupt – und wenn ja, wie viel Torf entsteht dabei pro Jahr?
Moore wachsen durch die Bildung von Torf. Dabei nimmt die Mächtigkeit der Torfschicht im Durchschnitt lediglich etwa 1 Millimeter pro Jahr zu, wobei die tatsächliche Wachstumsrate je nach Standortbedingungen variieren kann.
Wie entsteht Torf?
- Torf entsteht aus abgestorbenen Pflanzen, die sich in sehr nassen Mooren ansammeln und dort nur unvollständig zersetzt werden. Entscheidend ist, dass der Boden dauerhaft wassergesättigt ist und kaum Sauerstoff enthält. Dadurch können Mikroorganismen die Pflanzenreste nur sehr langsam abbauen.
- Gleichzeitig wachsen im Moor ständig neue Pflanzen nach, während die abgestorbenen Pflanzenteile darunter erhalten bleiben. Da mehr Pflanzenmaterial gebildet wird, als zersetzt werden kann, lagert sich im Laufe der Zeit immer mehr organisches Material an – und es entsteht Torf.
- Im Kern ist Torf nichts anderes als gebundenes Kohlendioxid (CO₂) aus der Atmosphäre. Die Pflanzen im Moor nehmen während ihres Wachstums CO₂ durch Photosynthese auf und bauen daraus Biomasse auf. Wird diese Biomasse im Moor konserviert und nicht vollständig zersetzt, bleibt der enthaltene Kohlenstoff langfristig gespeichert – oft über Tausende von Jahren.
Wie viel CO₂ bindet ein Moor jedes Jahr?
Moore binden Kohlendioxid (CO₂), indem sie abgestorbene Pflanzenreste unter wassergesättigten Bedingungen als Torf konservieren. Dieser Prozess führt zu einer langfristigen Speicherung von Kohlenstoff im Boden (Torfbildung).
Die jährliche Netto‑CO₂‑Bindung intakter Moore ist dabei vergleichsweise gering und liegt typischerweise in der Größenordnung von etwa 0,7 bis 2,8 Tonnen CO₂ pro Hektar und Jahr, was rund 70 bis 280 Gramm CO₂ pro Quadratmeter und Jahr entspricht. Diese vergleichsweise niedrige jährliche Bindungsrate erklärt sich dadurch, dass Torf nur sehr langsam wächst. Moore entfalten ihre zentrale Klimaschutzwirkung daher weniger durch kurzfristige CO₂‑Aufnahme als vielmehr durch die dauerhafte Speicherung großer Mengen Kohlenstoff über Jahrtausende sowie durch die Vermeidung von Emissionen bei intakten Wasserverhältnissen.
Quelle: Irish Peatland Conservation Council, Angaben zur CO₂‑Sequestration von Mooren
Warum ist das Wachstum eines Moores für den Klimaschutz weniger wichtig als sein Erhalt?
Die Neubildung von Torf – und damit die Speicherung von CO₂ – erfolgt in Mooren extrem langsam. Entscheidend für den Klimaschutz ist daher vor allem der Erhalt des bereits über Jahrtausende aufgebauten Kohlenstoffspeichers. Wird ein Moor entwässert, wird dieser gespeicherte Kohlenstoff durch Zersetzungsprozesse (Mineralisierung) als CO₂ freigesetzt – und zwar deutlich schneller, als neues CO₂ gebunden werden kann.
Entwässerte Moorböden setzen je nach Nutzung und Wasserstand typischerweise etwa 10 bis über 30 t CO₂‑Äquivalente pro Hektar und Jahr frei. Wird ein Moor wieder vernässt, können diese Emissionen weitgehend vermieden werden. Die anrechenbare Klimaschutzwirkung liegt daher in einer Größenordnung von etwa: ≈ 10–30 t CO₂e pro Hektar und Jahr. Bei langfristiger Betrachtung (z. B. über 100 Jahre) ergibt sich daraus eine erhebliche kumulative Emissionsvermeidung.
Die konkrete Höhe der anrechenbaren CO₂‑Äquivalente hängt insbesondere ab von:
- dem Ausgangszustand (Entwässerungsgrad)
- der Nutzung (Acker, Grünland etc.)
- dem erreichten Wasserstand nach Renaturierung
- sowie projektbezogenen Annahmen im Referenz‑ und Projektszenario
Quelle -Eigene Berechnung:
53 Mio. t CO2e/Jahr Deutschland / ~ 1,8 Mio. ha Moorböden = 30 t CO2e/ha/Jahr
Bild: Karte - 1,8 Mio. Hektar
Umweltbundesamt / DEHSt:
Moore verursachen in Deutschland rund 53 Mio. t CO₂‑Äq./Jahr.
DEHSt:
Natürlicher Klimaschutz; Landesweit gibt es etwa 18.000 Quadratkilometer Torfboden, von denen mehr als 90 Prozent entwässert wurden.
Wie viel CO₂ setzen degradierte (also entwässerte und teilweise stark geschädigte bzw. „devastierte“) Moore in Deutschland jedes Jahr frei?
- Degradierte Moore – also durch Entwässerung und Nutzung geschädigte Moorflächen – setzen in Deutschland jährlich etwa 49 bis 62 Millionen Tonnen CO₂‑Äquivalente frei [Quelle: Thünen].
- Die Emissionen aus degradierten Mooren werden dem Sektor für Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) zugeschrieben, in dem insbesondere Boden- und Kohlenstoffspeicherveränderungen bilanziert werden [Quelle: § 3a KSG].
- Der LULUCF-Sektor fließt nicht in die klassischen Emissionssektoren nach Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) ein. Die sechs klassischen KSG-Emissionssektoren sind: Energiewirtschaft, Industrie, Gebäude, Verkehr, Landwirtschaft, Abfall [Quelle: Anlage 1 (zu § 5) KSG] .
- Der Gesamtausstoß in Deutschland betrug 2025 ohne den LULUCF-Sektor: 648,9 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente [Quelle: UBA].
- Die Emissionen aus degradierten Mooren betragen somit zusätzlich rund 8,0 % der gesamten Treibhausgasemissionen Deutschlands bezogen auf das Jahr 2025.
- Die hohen Moortreibhausgasemissionen entstehen dadurch, weil 92 Prozent der deutschen Moorflächen trockengelegt sind. Davon werden drei Viertel landwirtschaftlich genutzt. Diese wiederum machen nur sieben Prozent der landwirtschaftlichen Fläche aus – sind aber für ca. 37 Prozent aller Emissionen aus der landwirtschaftlichen Fläche verantwortlich.
- Die Gesamtemissionsbilanz inkl. dem LULUCF-Sektor beträgt somit ~ 700 Millionen Tonnen CO2-Äquvalente.
- Wichtig zu wissen: Fast die gesamten zusätzlichen LULUCF-Emissionen (57,8 Mio. t CO2-Äq lt. Thünen 2024) kommen aus degradierten Moorböden. Damit wird die vom Menschen überprägte Natur von der Klimasenke zur deutlichen Klimaquelle. Die tatsächliche klimawirksame Gesamtbilanz liegt aus diesem Grund deutlich höher als in den „offiziellen Emissionszahlen“ beschrieben.
Downloads:
THG-Emissionen Deutschland (UBA)
Wieviel CO2 stößt der motorisierte Individualverkehr in Deutschland pro Jahr aus?
Der motorisierte Individualverkehr in Deutschland verursacht jährlich rund 93 Millionen Tonnen CO2‑Äquivalente. Der gesamte Verkehrssektor liegt bei etwa 140 bis 150 Millionen Tonnen CO2‑Äquivalenten pro Jahr.
Quelle: Emissionsdaten 2025 (UBA)
Stimmt die Aussage, dass degradierte (also entwässerte und teilweise zerstörte) Moore in Deutschland genauso viel CO₂ ausstoßen wie der gesamte Verkehrssektor?
Nein, diese Aussage stimmt so nicht. Degradierte Moore in Deutschland verursachen jährlich etwa 53 Millionen Tonnen CO₂‑Äquivalente, während der gesamte Verkehrssektor rund 140 bis 150 Millionen Tonnen CO₂‑Äquivalente pro Jahr ausstößt.
⇒ Das entspricht rund einem Drittel der Emissionen des gesamten Verkehrssektors in Deutschland.
Wie gehen Moose mit Trockenheit um?
Moose besitzen mehrere spezielle Anpassungen, um mit Trockenheit umzugehen:
Wasserspeicherung durch spezielle Zellen (v.a. bei Torfmoosen)
- Torfmoose besitzen sogenannte Hyalinzellen – das sind tote, farblose Wasserspeicherzellen, die große Mengen Wasser aufnehmen und speichern können. Dadurch wirken Torfmoose wie natürliche Schwämme und tragen wesentlich dazu bei, Feuchtigkeit im Moor zu halten.
Trockenstarre (Wiederbelebung nach Austrocknung)
- Bei Trockenheit fahren Moose ihren Stoffwechsel stark herunter und fallen in eine Art „Trockenstarre“.
- Sie sterben dabei nicht ab, sondern können nach erneuter Befeuchtung schnell wieder aktiv werden.
Wie funktioniert das Spieß‑Torfmoos (Sphagnum cuspidatum) und wie ist es an seinen Lebensraum angepasst?
- Das Spieß‑Torfmoos ist eine besonders gut an sehr nasse, wassergefüllte Moorbereiche angepasste Moosart. Es wächst häufig schwimmend oder leicht untergetaucht im Moorwasser und bildet lockere, fein verzweigte, federartige Strukturen. Über spezielle Wasserspeicherzellen (Hyalinzellen) kann es enorme Mengen an Wasser aufnehmen und speichern und so dauerhaft feuchte Bedingungen aufrechterhalten.
- Durch den dauerhaften Kontakt mit Wasser werden die unteren, abgestorbenen Pflanzenteile kaum zersetzt. Dadurch sammelt sich organisches Material an und es entsteht Torf, sodass das Spieß‑Torfmoos maßgeblich zur Torfbildung und zum Wachstum des Moores beiträgt.
- In Hochmooren wird das Wasser nicht aus dem Grundwasser, sondern nahezu ausschließlich aus Niederschlägen gespeist. Deshalb werden Hochmoore auch als Regenmoore bezeichnet. Die Torfmoose speichern dieses Regenwasser wie ein Schwamm und halten es im Moor fest, wodurch ein eigenständiger, dauerhaft nasser Lebensraum entsteht.
- Trotz dieser enormen Wasserspeicherfähigkeit ist das Torfmoos jedoch weiterhin vollständig auf eine stetige Wasserversorgung angewiesen. Es kann Wasser sehr gut speichern und kurzfristige Trockenphasen überbrücken, ist aber auf Dauer nur in dauerhaft feuchten bis nassen Bedingungen lebensfähig.
Was bedeutet Mineralisierung von Torf?
- Die Mineralisierung ist ein Teil des Zersetzungsprozesses, bei dem organisches Material durch Mikroorganismen nahezu vollständig abgebaut wird. Dabei werden organische Verbindungen in anorganische Endprodukte überführt.
- Der im Torf gespeicherte Kohlenstoff wird bei diesem Prozess überwiegend als Kohlendioxid (CO₂) freigesetzt und gelangt zurück in die Atmosphäre.
- Dieser Prozess tritt vor allem dann ein, wenn Moore entwässert werden und Sauerstoff in den zuvor wassergesättigten Torfkörper gelangt. Unter diesen Bedingungen können Mikroorganismen den Torf deutlich schneller abbauen.
- Dadurch wird der Torf schrittweise abgebaut, der Torfkörper verliert an Volumen und die Oberfläche des Moores sinkt ab. Dieser Prozess wird als Degradation des Moores bezeichnet.
Warum sind Moore mit ihren Torfmoosen so wichtig für den Klimaschutz – und insbesondere für die Klimaanpassung?
- Langfristige Speicherung von Kohlenstoff (Klimaschutz)
Torfmoose wachsen ständig nach oben, während ihre unteren Teile im nassen, sauerstoffarmen Milieu nicht zersetzt werden. Dadurch entsteht Torf, in dem große Mengen Kohlenstoff über Jahrtausende gespeichert werden. Somit entziehen Moore der Atmosphäre dauerhaft große Mengen CO2. - Wasserspeicher und natürlicher Hochwasserschutz (Klimaanpassung)
Durch die Wasserspeicherfähigkeit der Torfmoose (bis über das 30-fache ihres Eigengewichts), halten sie sowohl für Trockenzeiten Wasservorräte zurück und dienen während Starkregenereignissen zur Dämpfung von Hochwasserspitzen. - Kühlung und Stabilisierung des lokalen Klimas (Klimaanpassung)
Als Nebeneffekt ihrer hohen Wasserspeicherung sorgen Torfmoose durch kontinuierliche Verdunstung für eine Kühlung, indem sie der Umgebung Wärme entziehen. Dadurch stabilisieren sie Temperatur und Luftfeuchtigkeit und wirken ausgleichend auf das lokale Klima.
Waren die Weilheimer Moorseen früher Teil des Ammersees?
Ja, indirekt. Nach der letzten Eiszeit reichte der damalige Ammersee deutlich weiter nach Süden bis in den Raum Weilheim. In den darauffolgenden Jahrtausenden verlandete dieser große See durch Sedimentablagerungen und Pflanzenwachstum zunehmend. Auf den ehemaligen flachen Ufer- und Verlandungsbereichen entwickelten sich schließlich Moore und Moorseen, die heute als Überreste dieses ursprünglichen Sees gelten.
Wie hieß die große Seenlandschaft, in der Ammersee und Starnberger See ursprünglich miteinander verbunden waren?
Diese zusammenhängende Seenlandschaft wurde früher als »Würmsee« bezeichnet. Der Name leitet sich vom Fluss Würm ab, der als einziger natürlicher Abfluss dieses Sees diente.
Auch die geologische Bezeichnung der »Würm-Eiszeit« geht auf diesen Namen zurück, da entsprechende Ablagerungen erstmals in dieser Region wissenschaftlich untersucht wurden.
Wie hieß der Gletscher, der während der letzten Eiszeit (vor etwa 115.000 bis 11.700 Jahren) die oberbayerische Region um Weilheim, einschließlich dem Ameisenmoor und den Moorseen überdeckte?
Der Gletscher, der die Region um Weilheim während der letzten Eiszeit überdeckte, war der Isar‑Loisach‑Gletscher. Seine größte Ausdehnung erreichte er vor etwa 20.000 Jahren. Beim Abschmelzen vor rund 15.000 Jahren entstanden daraus die Becken des Ammersees und des Starnberger Sees sowie die Moorlandschaften im Raum Weilheim.
Die Renaturierung und Erhaltung der Moorlandschaft mit ihren Moorseen hat sich die Greensurance Stiftung Für Mensch und Umwelt zur Aufgabe gemacht.
Wie mächtig (wie dick) war der Isar‑Loisach‑Gletscher während des Höhepunkts der letzten Eiszeit?
Während des Höhepunkts der letzten Eiszeit (Würm-Eiszeit) erreichte der Isar‑Loisach‑Gletscher eine Eisdicke von über 1.000 Metern. Auch in Oberbayern - im Raum Weilheim - lag die Mächtigkeit in dieser Größenordnung, sodass die Landschaft von einer mächtigen Eisdecke überprägt wurde.
Um wie viel niedriger war der Meeresspiegel während des Höhepunkts der letzten Eiszeit?
Während des Höhepunkts der letzten Eiszeit lag der globale Meeresspiegel etwa 120 bis 130 Meter unter dem heutigen Niveau. Grund dafür war, dass enorme Wassermengen in den großen kontinentalen Eisschilden gebunden waren.
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PNG - Meeresspiegelveränderungen seit dem Ende der letzten Eiszeit. Abbildung von Robert A. Rohde anhand veröffentlichter frei teilbarer Daten, als Projektarbeit "Global Warming Art" (Quelle: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=479979)
Wie stark wird der Meeresspiegel ansteige, falls „nur“ das »Grönland-Eis« abschmilzt?
Beim vollständigen Abschmelzen des grönländischen Eisschildes steigt der globale Meeresspiegel um etwa 7 bis 7,5 Meter an.
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Visuell zeigt die NASA auf, wie die Küstengebiete bei einem Meeresspiegelanstieg von 6 Metern betroffen sind: BILD (jpg): Karte der Erde mit einem in Rot dargestellten Meeresspiegelanstieg von sechs Metern. Quelle: NASA, 23.03.2012 (Die NASA-Urheberrechtsrichtlinie besagt, dass „NASA-Material nicht durch Urheberrecht geschützt ist, wenn es nicht anders angegeben ist“.)
Warum steigt der Meeresspiegel beim Abschmelzen des grönländischen Eisschildes um etwa 7 bis 7,5 Meter an?
Der Meeresspiegel steigt in dieser Größenordnung an, weil der grönländische Eisschild enorme Wassermengen enthält. Entscheidend ist die Kombination aus seiner großen flächenhaften Ausdehnung und seiner hohen Eisdicke von über 3.000 Metern.
Grönland besitzt zudem vergleichsweise wenig hochliegendes Festland über dem Meeresspiegel und ist geologisch eher als eine große, beckenartige Struktur („Canyon“) zu verstehen. Dadurch konnte sich eine besonders mächtige Eisdecke ausbilden, deren Schmelzwasser den globalen Meeresspiegel entsprechend stark ansteigen lässt.
Eine kleine Fangfrage - um wie viel Meter steigt der Meeresspiegel, wenn das Eis am Nordpol vollständig abschmilzt?
Der Wasserspiegel steigt nicht an.
Beim »Nordpol-Eis« handelt es sich um schwimmendes Meereis, das bereits Wasser verdrängt. Schmilzt dieses Eis, bleibt der Meeresspiegel daher praktisch unverändert – vergleichbar mit einem Eiswürfel, der in einem Wasserglas schmilzt.
Warum gilt das Grönlandeis als sogenanntes Kippelement?
Ein Kippelement ist ein Bestandteil des Klimasystems, der bei Überschreiten eines kritischen Schwellenwertes abrupt und oft unumkehrbar in einen neuen Zustand übergeht. Der grönländische Eisschild gilt als solches Kippelement, weil er ein ausgeprägtes Schwellenverhalten mit selbstverstärkenden Rückkopplungen aufweist. Wird ein bestimmter Temperatur‑Grenzwert überschritten, kann das Abschmelzen nicht mehr gestoppt werden. Entscheidend ist dabei die sogenannte Schmelz‑Höhen‑Rückkopplung: Durch das Abschmelzen verliert der Eisschild an Höhe, wodurch seine Oberfläche in wärmere Luftschichten absinkt und sich weiter erwärmt. Gleichzeitig wird zunehmend dunklere Land- und Eisoberfläche freigelegt, die mehr Sonnenenergie absorbiert und die Erwärmung zusätzlich verstärkt.
Im Mittel steigt die Temperatur um etwa 1 °C pro 100 Meter Höhenabnahme, was den Prozess weiter beschleunigt.
Wird der Meeresspiegelanstieg gemessen?
Ja, seit 1993 wird der globale Meeresspiegel mithilfe von Satelliten gemessen. Dabei kommen sogenannte Altimeter zum Einsatz – Radar‑Höhenmesser, die aus dem All den Abstand zur Meeresoberfläche bestimmen und so den Meeresspiegel exakt berechnen.
Die Grafik (jpg) zeigt den Anstieg des globalen mittleren Meeresspiegels von 1993 bis 2024.
Die Daten zeigen klar: Der Meeresspiegel steigt – und zwar zunehmend schneller.
Hauptursachen sind zwei Prozesse der globalen Erwärmung:
- Schmelzendes Landeis (Gletscher und Eisschilde) bringt zusätzliches Wasser in die Ozeane
- Erwärmtes Meerwasser dehnt sich aus (thermische Ausdehnung)
In den vergangenen Jahren entfielen etwa zwei Drittel des Anstiegs auf das schmelzende Landeis und etwa ein Drittel auf die thermische Ausdehnung. Im Jahr 2024 kehrte sich dieses Verhältnis jedoch um: Rund zwei Drittel des Meeresspiegelanstiegs wurden durch die Erwärmung und Ausdehnung des Meerwassers verursacht.
Über den folgenden Link wird die durchschnittliche Höhe des globalen Meeresspiegelanstiegs durch die NASA aufgezeigt.
Die Messdaten zeigen diese Entwicklung zuverlässig:
- Schwarz = gemessene Werte
- Blau = Unsicherheit
Welches Alter spiegelt ein Meter Torfboden wider?
Ein Meter (1 Meter) Torfboden ist ungefähr 1.000 Jahre alt. Das liegt daran, dass Moorböden extrem langsam wachsen: In unseren Breiten bildet sich im Durchschnitt nur etwa 1 Millimeter Torf pro Jahr.
- Das bedeutet:
1 Millimeter pro Jahr → 1.000 Millimeter (= 1 Meter) in etwa 1.000 Jahren
Allerdings ist das nur ein Durchschnittswert. Je nach Standort, Wasserstand und Klima kann das Wachstum auch etwas schneller oder langsamer sein.
Die Hoch- und Niedermoore im oberbayerischen Raum um Weilheim haben Torfschichten von etwa sieben bis zehn Metern. Wie alt sind diese Moore ungefähr?
Diese Moore sind ungefähr 7.000 bis 10.000 Jahre alt. Das liegt daran, dass Torf in unseren Breiten im Durchschnitt nur etwa 1 Millimeter pro Jahr wächst.
- Das bedeutet: 1 Meter Torf entspricht etwa 1.000 Jahren
7 bis 10 Meter Torf entsprechen etwa 7.000 bis 10.000 Jahren
Damit sind unsere Moore typische Landschaften, die nach der letzten Eiszeit entstanden sind: Sie haben sich gebildet, als sich die Gletscher (Isar‑Loisach‑Gletscher) zurückgezogen haben und in den feuchten Senken neue Moore entstehen konnten. Die tatsächliche Entwicklung kann je nach Wasserstand, Klima und Standort etwas variieren.
Wie funktioniert ein Torfbohrer?
Ein Torfbohrer ist ein Werkzeug, mit dem Forschende Torfproben aus einem Moor entnehmen können, ohne die natürliche Schichtung stark zu zerstören. Er besteht meist aus einem hohlen Rohr mit einer Schneidekante sowie einer beweglichen Klappe oder Kammer, die die Probe aufnimmt und festhält.
Funktionsprinzip:
- Der Bohrer wird von Hand senkrecht in den Boden gedrückt
oder gedreht - Dabei schneidet die Spitze ein Stück Torf aus dem Boden
heraus - Durch eine drehbare Klappe oder Kammer wird die Probe im
Inneren aufgenommen und festgehalten - Anschließend wird der Bohrer herausgezogen – die Probe
bleibt weitgehend unverändert in ihrer Schichtung erhalten
Warum wurde der Torf im Raum Weilheim abgebaut – und wie sind daraus die heutigen Moorseen entstanden?
Im Raum Weilheim wurde Torf vor allem aus wirtschaftlichen Gründen abgebaut. Bereits im 18. und 19. Jahrhundert diente Torf als günstiger Brennstoff und Ersatz für Holz und Kohle. Später, insbesondere im 20. Jahrhundert, wurde Torf zusätzlich als Rohstoff im Gartenbau genutzt, wodurch der Abbau weiter intensiviert wurde.
- Durch den Torfabbau wurden große Mengen des Moorbodens abgetragen und die Flächen tief ausgegraben. Während der Nutzung wurde das Wasser gezielt abgeführt bzw. abgepumpt, um den Torf überhaupt abbauen zu können.
- Nach dem Ende des Torfabbaus wurden die Entwässerungsmaßnahmen eingestellt. Grund‑ und Regenwasser konnten sich wieder ansammeln und füllten die entstandenen Vertiefungen. Auf diese Weise entstanden die heutigen Moorseen im Weilheimer Moos als typische Folge ehemaliger Torfabbauflächen.
- Aus heutiger Sicht steht vor allem der Erhalt des noch vorhandenen CO₂‑Speichers in den Weilheimer Moorseen im Mittelpunkt. Mit dem Abbau wurde ein über Jahrtausende aufgebauter CO₂‑Speicher entfernt; zugleich kann auch heute noch weiterer Torfabbau beziehungsweise die Entwässerung von Mooren zusätzliches Kohlendioxid freisetzen. Ziel der Wiedervernässung ist es daher, den weiteren Abbau des verbliebenen Torfs zu stoppen und so zusätzliche CO₂‑Emissionen zu vermeiden.
- Gleichzeitig schafft die Wiedervernässung die Voraussetzung dafür, dass sich langfristig wieder Torf bilden kann und sich das Moor schrittweise regeneriert. Darüber hinaus trägt die Renaturierung der Greensurance Stiftung maßgeblich dazu bei, den Moorraum der Weilheimer Moorseen als Biodiversitätshotspot mit zahlreichen geschützten Tier- und Pflanzenarten, wie beispielsweise dem Eisvogel, zu bewahren und weiterzuentwickeln, da viele hoch spezialisierte Arten dauerhaft auf nasse Lebensräume angewiesen sind.
Warum wurde im Ameisenmoor Torf gestochen?
- Im Ameisenmoor wurde Torf vor allem aus praktischen und wirtschaftlichen Gründen gestochen. Bereits seit dem Mittelalter nutzten Menschen in Moorgebieten Torf als Brennstoff, insbesondere dort, wo Holz knapp war oder fehlte.
- Mit zunehmendem Holzmangel und wachsendem Energiebedarf gewann der Torfabbau ab der frühen Neuzeit und im Zuge der Industrialisierung deutlich an Bedeutung. Torf diente dabei vielerorts als günstiger Ersatz für Brennholz und stellte eine wichtige Energiequelle dar, bevor sich Kohle flächendeckend durch setzte.
- Torf ließ sich vergleichsweise einfach abbauen, trocknen und
verwenden. Für viele Menschen stellte er daher über lange Zeit eine wichtige, lokal verfügbare Alternative zu Holz und später auch zu Kohle dar.
Wie ist der Heizwert von Torf im Vergleich zu Braun‑ und Steinkohle sowie zu Erdöl und Erdgas?
Der Heizwert von Torf ist deutlich geringer als der von fossilen Energieträgern wie Braun- und Steinkohle sowie Erdöl und Erdgas. Das liegt vor allem daran, dass Torf einen hohen Wassergehalt und einen geringeren Kohlenstoffanteil besitzt.
Typische Heizwerte sind:
- Torf: etwa 8–17 MJ/kg
- Braunkohle: etwa 10–20 MJ/kg
- Steinkohle: etwa 24–33 MJ/kg
- Erdöl: etwa 40–46 MJ/kg
- Erdgas: etwa 40–50 MJ/kg
Damit wird deutlich, dass Torf nur einen Bruchteil der Energie moderner fossiler Energieträger liefert. Im Vergleich zu Steinkohle besitzt er lediglich etwa ein Drittel bis die Hälfte des Energiegehalts, gegenüber Erdöl und Erdgas sogar noch deutlich weniger.
Aus heutiger Sicht wird zudem klar, dass alle diese fossilen Energieträger aus Klimaschutzgründen nicht mehr zum Heizen eingesetzt werden sollten, sondern durch erneuerbare Energien ersetzt werden müssen. Dies gilt insbesondere für Torf: Aufgrund seines vergleichsweise geringen Heizwerts ist seine energetische Nutzung besonders ineffizient, da für die gleiche Energiemenge deutlich mehr Brennstoff eingesetzt werden muss. Gleichzeitig wird dabei der über lange Zeiträume aufgebaute Kohlenstoff als CO₂ freigesetzt – wodurch Torf als Energieträger klimapolitisch besonders ungünstig ist.
Darüber hinaus sollte Torf heute grundsätzlich nicht mehr genutzt werden – auch nicht für gärtnerische Zwecke wie Blumenerde. Jede Nutzung führt dazu, dass ein über lange Zeiträume aufgebauter Kohlenstoffspeicher abgebaut und letztlich in die Atmosphäre überführt wird.
Die Greensurance Stiftung formuliert dies bewusst grundsätzlicher: Über Millionen Jahre hat die Erde große Mengen an Kohlenstoff der Atmosphäre entzogen und in Böden und geologischen Reservoiren gespeichert. Erst dadurch konnte sich ein Klima entwickeln, das die heutige Lebensgrundlage des Menschen überhaupt ermöglicht. Wenn wir diese Speicher wieder öffnen und nutzen, kehren wir diesen langfristigen Entwicklungsprozess um – und führen damit ein großskaliges „Chemieexperiment“ in der Atmosphäre durch.
Was ist ein Teich-Mönch und wer hat ihn erfunden?
Ein Teich-Mönch ist eine Vorrichtung zur Regulierung des Wasserstandes in Seen und Teichen.
Funktion: Er besteht meist aus einem Senkrechten Schacht mit seitlichen Öffnungen, in welche Bretter eingesetzt werden. Ja nach Höhe (Anzahl) der Bretter wird der Wasserstand auf diesem Niveau gehalten. Durch Entfernen der Bretter kann Wasser gezielt abgelassen werden. Je nach Höhe und Anzahl der Bretter wird der Wasserspiegel im Teich exakt reguliert. Werden die Bretter schrittweise entfernt, kann das Wasser kontrolliert abgelassen werden – bis hin zur vollständigen Trockenlegung des Teichs.
Herkunft: Der Teich‑Mönch stammt aus der mittelalterlichen Klosterwirtschaft. Mönche nutzten ihn zur kontrollierten Wasserführung in ihrer intensiv betriebenen Fischwirtschaft, da Fisch insbesondere während religiöser Fastenzeiten eine zentrale Rolle in der Ernährung spielte und Klöster daher eine hochentwickelte Teich‑ und Wassertechnik hervorbrachten. Der Begriff »Mönch« leitet sich direkt von dieser klösterlichen Nutzung ab und nicht von einer einzelnen erfinderischen Person.
Was sind Tracheenatmer?
Tracheenatmer sind Tiere, deren Gasaustausch (Atmung) über ein im Körper verlaufendes Röhrensystem, das sogenannte Tracheensystem, erfolgt.
Der entscheidende Unterschied zu anderen Atmungssystemen (z. B. Lungenatmung) besteht darin, dass der Sauerstoff nicht über das Blut transportiert wird, sondern direkt über die Tracheen durch Diffusion zu den Körperzellen gelangt, während Kohlendioxid auf demselben Weg wieder abgegeben wird.
Typische Tracheenatmer sind beispielsweise:
- Raupen, Heuschrecken, Käfer, Ameisen, Tausendfüßer – und auch Libellen.
Besonderheit bei Libellen:
- Libellen sind ein besonders anschauliches Beispiel für Tracheenatmung, da sie in ihrem Lebenszyklus zwei Lebensräume nutzen. Als erwachsene Tiere atmen sie über ein Tracheensystem wie andere Insekten. Ihre Larven leben hingegen im Wasser, häufig auch in Mooren, und besitzen spezielle Anpassungen (z. B. Tracheenkiemen), mit denen sie ebenfalls auf Basis ihres Tracheensystems Sauerstoff aufnehmen können.
Warum war es möglich, dass Libellen früher deutlich größer waren als heute?
- Im Karbon, vor etwa 300 Millionen Jahren, gab es libellenähnliche Insekten mit Flügelspannweiten von bis zu etwa 70 cm.
- Eine zentrale Erklärung dafür ist der damals deutlich höhere Sauerstoffgehalt der Atmosphäre, der bei etwa 30–35 % lag (heute rund 21 %).
- Insekten – und damit auch Libellen – besitzen kein blutgestütztes Atmungssystem wie Wirbeltiere, sondern ein Tracheensystem, bei dem Sauerstoff durch Diffusion direkt zu den Zellen gelangt. Dieses System ist umso leistungsfähiger, je höher der Sauerstoffgehalt der Umgebung ist.
- Der höhere Sauerstoffgehalt ermöglichte es daher, dass Sauerstoff auch in größeren Körpern ausreichend bis in die Gewebe diffundieren konnte. Dadurch konnten Insekten insgesamt deutlich größer werden als heute.
Welche Hintergrundinformationen kann die Greensurance Stiftung zur ihren Moor-Renaturierungsprojekten geben?
- Über die CO₂‑Bindung der Moorklimaschutzmaßnahmen der Greensurance Stiftung wird projektbezogen und zukunftsorientiert Bericht erstattet. Es werden somit zwei in der Zukunft liegende Szenarien zur Entwicklung der Treibhausgasemissionen (THG‑Emissionen) dargestellt. Im Referenzszenario werden die THG‑Emissionen ohne die Durchführung von Moorklimaschutzmaßnahmen dargestellt und gleichzeitig erfolgt im Projektszenario eine Einschätzung der THG‑Ersparnis auf einen Projektzeitraum von 100 Jahren.
- Auf dieser Grundlage wird die Klimawirkung der Projekte als langfristige Emissionsvermeidung bewertet. Die Greensurance Stiftung legt dabei zugrunde, dass für die Vermeidung von 1 Tonne CO₂ über einen Zeitraum von 100 Jahren – abhängig vom Ausgangszustand des Moores – eine Fläche von etwa 3 bis 7 m2 renaturiert wird.
- Die Bandbreite ergibt sich aus den unterschiedlichen Ausgangszuständen degradierter Moorböden (z. B. Nutzungsintensität, Entwässerungsgrad und Wasserstand). Stark degradierte Moorflächen weisen höhere spezifische Emissionen auf, sodass durch deren Wiedervernässung eine entsprechend größere jährliche Treibhausgasvermeidung erzielt werden kann.
- Die projektspezifische Bewertung erfolgt dabei stets im Abgleich zwischen Referenz‑ und Projektszenario und bildet sowohl kurzfristige Emissionsminderungen als auch langfristige Entwicklungen der Kohlenstoffdynamik im Moor über den gesamten Projektzeitraum ab.
Wissenschaftliche Grundlagen auf die sich die Greensurance Stiftung bezieht:
